Die Patientenverfügung: Beantragung, Kosten und Inhalt – was ist zu tun?

April 21, 2017 11:14 am

Wie teuer ist eine Patientenverfügung und wie beantrage ich sie richtig? 

Egal wie alt man ist, das Schicksal kann einen immer treffen. Manchmal kommt man vielleicht in eine Situation, in der man nicht mehr in der Lage ist, selbst Entscheidungen zu treffen. Einen Weg eine Versorgung zu garantieren, die in Ihrem Interesse ist, nennt sich Patientenverfügung. In einer Patientenverfügung wird vorab geklärt, welche medizinischen Maßnahmen von Ihnen erwünscht sind, und welche für Sie nicht in Frage kommen. So werden Sie im Notfall bestens umsorgt und müssen nicht auf Ihr Selbstbestimmungsrecht verzichten, auch im Falle einer schweren Krankheit oder eines Unfalls. Bis zum Zeitpunkt dieses Notfalls haben Sie zu jeder Zeit das Recht, den Inhalt Ihrer Patientenverfügung abzuändern, wenn sich Ihre Umstände oder Wünsche mit der Zeit ändern sollten.

Was sollte auf keinen Fall in einer Patientenverfügung fehlen?

Eine solche Verfügung ist verbindlich und muss von dem Arzt berücksichtigt werden, wenn er sie behandelt und Sie Ihre Wünsche nicht mehr selbst kundtun können. Deshalb sollte Ihre Patientenverfügung auf jeden Fall schriftlich festgehalten werden. Hier geben wir Ihnen eine Liste mit Dingen an die Hand, die in Ihrem Schreiben auf keinen Fall fehlen sollten.

  • Ihr vollständiger Name sowie Ihre Adresse und Ihr Geburtsdatum
  • Eine detaillierte Beschreibung der Situation, in der auf die Patientenverfügung Rücksicht genommen werden soll (natürlich ist es nicht wichtig, was in Ihrer Verfügung steht, wenn Sie in die Notaufnahme fahren weil Sie sich den Arm gebrochen haben. Beispielhafte Formulierungen sind „Wenn ich im Endstadium einer tödlich verlaufenden Krankheit bin“ oder „Für den Fall, dass ich mich unwiderruflich und unmittelbar im Sterbeprozess befinde“)
  • Genaue Angaben zum Beispiel zu lebenserhaltenden Maßnahmen, Symptom- und Schmerzbehandlung sowie künstlicher Ernährung sollten ebenfalls enthalten sein. Aussagen wie „ich möchte nicht durch einen Schlauch mein Essen bekommen“ sind in einem medizinischen Umfeld fehl am Platz und sollten präziser formuliert werden, damit auf Ihre Wünsche professionell eingegangen werden kann.
  • Einen Hinweis darauf, ob Sie nach Ihrem Tod dazu bereit sind, einige oder sogar alle Ihre Organe zu spenden
  • Mögliche Wünsche über den Sterbeort und eine Begleitung zu diesem Zeitpunkt
  • Einen Hinweis darüber, ob Sie weitere Vorsorgeverfügungen angefertigt haben. Sollten diese die Patientenverfügung einschränken, sollten diese genau beschrieben werden.
  • Aussagen über die Verbindlichkeit und Auslegung deiner Patientenverfügung, mit welchen Maßnahmen sie durchgesetzt werden soll und wie Sie diese widerrufen können
  • Abschließend Ihre Unterschrift und das aktuelle Datum

Deine Patientenverfügung sollte regelmäßig, etwa alle 2 bis 3 Jahre, von Ihnen überarbeitet werden. Dazu müssen Sie nicht eine komplett neue Verfügung aufsetzen, es reicht wenn Sie mögliche Ergänzungen unten anhängen und erneut unterschreiben. Das Datum ist auch hier wichtig!

Wann tritt meine Patientenverfügung in Kraft?

Bisher haben wir Ihnen berichtet, wofür Sie eine Patientenverfügung brauchen, und welche Details in Ihrem Schreiben auf keinen Fall fehlen sollten. Nun klären wir, wann Ihre Patientenverfügung in Kraft tritt und welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen.

Wenn Sie als Patient Ihre Einwilligung nicht mehr geben können, tritt Ihre Verfügung in Kraft und Ihre Wünsche werden gemäß dem Schreiben berücksichtigt.

Eine weitere Voraussetzung ist, dass Sie bei dem Verfassen der Verfügung volljährig und einwilligungsfähig gewesen sind. Sind Sie unter achtzehn, sind Ihre Eltern oder Erziehungsberechtigten dafür zuständig, den Ärzten von Ihren Forderungen zu berichten.

Die Maßnahme, die ansteht, ist geplant und medizinisch notwendig. Sollten Sie beispielsweise in einem Koma liegen, werden nur die wirklich wichtigen Prozeduren durchgeführt.

Was sollte ich sonst noch beachten, wenn ich meine Patientenverfügung schreibe?

Oft kann es schwer sein, sich darüber klar zu werden, wie genau diese schwierigen Entscheidungen getroffen werden sollen. Da es sich in erster Linie um medizinische Eingriffe handelt solltest Sie sich auf jeden Fall mit Ihrem Arzt beraten.

Wenn Sie religiös sind, können Sie auch in vielen Kirchen eine Anlaufstelle finden, bei der Sie Ihre Sorgen und Ängste klären können- beispielsweise was Lebenserhaltende Maßnahmen betrifft.

Natürlich kann in einer Patientenverfügung nicht jeder medizinische Fall aufgenommen werden. Deswegen empfiehlt es sich, eine Vorsorgevollmacht zu verfassen. Diese berechtigt eine Ihnen nahestehende Person, wie zum Beispiel Ihre Eltern, Ihren Mann oder Ihre Freundin, wichtige Entscheidungen für Sie zu treffen, wenn Sie dazu nicht mehr im Stande sind. Tauschen Sie sich im Voraus gut mit Ihrer Vertrauensperson aus, damit sie bestens über Ihre Wünsche und Gedanken Bescheid weiß.

Laut dem Gesetz ist niemand dazu verpflichtet, eine Patientenverfügung zu besitzen, allerdings werden dadurch viele Entscheidungen vereinfacht. Entweder Sie können eine Karte bei sich tragen, die darüber informiert dass Sie eine Patientenverfügung verfasst haben, oder Sie hinterlassen Ihren Vertrauenspersonen sowie Ihrem Hausarzt eine Kopie, die im Notfall weitergeleitet werden kann.

Wir wissen, dass Krankheit und Sterben bei Weitem kein leichtes Thema sind, aber wir hoffen wir konnten Ihnen dennoch ein wenig unter die Arme greifen. Wenn Sie sich ein wenig überfordert fühlen und nicht so recht wissen, wo Sie anfangen sollen, ist das kein Problem. Einige Buchhandlungen zum Beispiel haben vorgefertigte Patientenverfügungen in ihrem Angebot, die Sie dann in Ruhe zu Hause ausfüllen und vervollständigen können.

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